NachrichtenReportage

Die Jesiden fünf Jahre nach dem Genozid

Von DW

Der jüngste Völkermord der Geschichte begann am 3. August 2014. Fünf Jahre später sind viele Mitglieder der ethnisch-religiösen Minderheit weiter schutzbedürftig. Deutsche Politiker regen an, mehr von ihnen aufzunehmen.

Keine Gruppe hat so unter dem IS-Terror gelitten wie die Jesiden. Die Kämpfer der Terrormiliz fielen Anfang August 2014 im Norden des Irak ein, um die jesidische Minderheit auszulöschen. Es folgten: Massenmord an den Männern, Verschleppung und Versklavung der Frauen und Kinder, die Flucht Zehntausender Menschen und der Beginn des internationalen Kampfes gegen den selbsternannten „Islamischen Staat“ im Irak und Syrien.

"Es besteht die Gefahr, dass das Schicksal der Jesiden aus dem Blickfeld gerät": Annalena Baerbock (Grüne), Volker Kauder (CDU, M.) und Thomas Oppermann (SPD) "Es besteht die Gefahr, dass das Schicksal der Jesiden aus dem Blickfeld gerät": Annalena Baerbock (Grüne), Volker Kauder (CDU, M.) und Thomas Oppermann (SPD) "Es besteht die Gefahr, dass das Schicksal der Jesiden aus dem Blickfeld gerät": Annalena Baerbock (Grüne), Volker Kauder (CDU, M.) und Thomas Oppermann (SPD)
„Es besteht die Gefahr, dass das Schicksal der Jesiden aus dem Blickfeld gerät“: Annalena Baerbock (Grüne), Volker Kauder (CDU, M.) und Thomas Oppermann (SPD)

Fünf Jahre später fordern drei deutsche Politiker über Parteigrenzen hinweg, den Jesiden stärker zu helfen als bisher. „Wir wollen jene wenige Hundert besonders Schutzbedürftigen, allen voran jesidische Frauen und Kinder, die im Irak und in Syrien keine realistische Aussicht auf eine adäquate Behandlung und einen gemeinsamen Neubeginn haben, in Deutschland aufnehmen“, schreiben Grünen-Chefin Annalena Baerbock, Volker Kauder von der christlich-konservativen CDU und Thomas Oppermann von den Sozialdemokraten in einem Gastkommentar für die Zeitung Welt.  

Wer sind die Jesiden?

Die Jesiden des Nahen Ostens sind eine seit Jahrhunderten verfolgte ethnisch-religiöse Minderheit. Einige begreifen sich als ethnische Kurden, andere als eigenständig. Die meisten sprechen das kurdische Kurmandschi. Sie siedeln vor allem im Norden des Irak und im Norden Syriens. In ihrer eigenen Geschichtsschreibung berichten sie von Dutzenden Auslöschungsversuchen allein während des Osmanischen Reiches.

Die Jesiden halten ihre Religion für die älteste der Welt. Sie glauben an einen Gott, aber sie verehren auch Engel. Die Terrormiliz IS brandmarkte die Jesiden als „Ungläubige“ und „Teufelsanbeter“.

Anders als Muslime, Christen oder Juden besitzen die Jesiden keine heilige Schrift, sondern geben ihr religiöses Wissen mündlich weiter. Sie missionieren nicht. Jeside kann man nur durch Geburt in eine rein jesidische Familie werden. Wesentliches Element ihres Glaubens ist die Wiedergeburt. Im Laufe der Jahrhunderte nahmen die Jesiden aber auch viele Elemente aus anderen Religionen auf, vor allem aus dem Islam.

Vor dem Beginn des Angriffs am 3. August 2014 lebten rund eine halbe Million Jesiden im Irak. Die große Mehrheit siedelte in der nördlichen Region Sindschar unweit ihres heiligen Berges, der den gleichen Namen trägt.

Die größte jesidische Auslandsgemeinde lebt mit über 150.000 Menschen in Deutschland

 

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