Erwachsen werden im Flüchtlingslager, Was Majida nie vergessen wird

Von Spiegel

Der Fotograf Kilian Förster reist seit Jahren in den Nordirak und porträtiert Kinder, die vor dem IS fliehen mussten. Nun hat er sie wieder getroffen. Wie es ist, in einem Flüchtlingslager groß zu werden.

Zur Person

Kilian Foerster, Jahrgang 1970, Fotograf aus Hamburg, hat gemerkt, dass ihn die typischen Frontbilder der Kriegsfotografie nur noch selten berühren. Deshalb fotografiert er lieber in der zweiten Reihe: Seine „Kindergeschichten aus dem Irak und aus Syrien“ sind auch auf seiner Homepage zu finden.

Als der „Islamische Staat“ 2014 in die Dörfer der Jesiden im Sindschar-Gebirge einfiel, blieb vielen Bewohnern nur ein Augenblick, um ihr Zuhause zu verlassen. Für den IS sind Jesiden Ungläubige, die Extremisten töteten oder verschleppten Tausende.

Die Bewohner im Nordirak flohen teils ohne Essen und Trinken, nahmen Gewaltmärsche auf sich. Und landeten in Lagern wie jenem in Zakho nahe der syrisch-türkischen Grenze, in der Hoffnung, irgendwann zurückzukehren in die Heimat.

Denn anfangs war das Flüchtlingslager für viele vor allem das: ein sicherer Ort, ein Zuhause auf Zeit.

„Inzwischen haben die meisten realisiert, dass es ihre Heimat so nicht mehr gibt“, sagt der Hamburger Fotograf Kilian Förster. Er hat das Camp bereits drei Mal besucht, 2014, 2015 und 2019. Er fotografierte dort vor allem Kinder, um zu verstehen: Wie fühlt es sich an, in einem Flüchtlingslager aufzuwachsen?

Er traf zum Beispiel Adil, der über die Zeit der Flucht sagt: „Keiner, der so etwas erlebt hat, wird es je vergessen können.“

Und er traf Majida. Die Begegnung mit dem Mädchen hat Förster besonders bewegt. Dreimal traf er sie insgesamt und konnte beobachten, wie sie sich entwickelt. „Durch ihr Trauma war sie im Vergleich zum Jahr davor kaum gewachsen“, sagt Förster. „Sie war beinahe körperlich eingefroren.“ Mittlerweile ist Majida 13 Jahre alt.

Obwohl die meisten Jugendlichen im Camp zur Schule gehen, spricht Förster von einer „verlorenen Generation“. Die Jugendarbeitslosigkeit im Irak sei extrem hoch. Selbst der Schulleiter habe seine Euphorie verloren. „Er sagte mir: ‚Wir kommen uns vor wie in einem Gefängnis.'“

Sehen Sie hier eine Auswahl der Portraits und Berichte der Kinder und Jugendlichen von damals und heute:

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