NachrichtenReportage

Konferenz „Religions for Peace“

Die Weltreligionen versammelt in Lindau

Von ZDF

Über 900 Teilnehmer treffen sich zur 10. Weltversammlung der Organisation „Religions for Peace“ am Bodensee. Was sind ihre Ziele und in welchen Konflikten hat sie bereits geholfen?

Archiv: Eine Gläubige nimmt Ende Juli in Nepal nach einem Gebet zum hinduistischen Gott Shiva den Segen im Shiva-Tempel von einem Priester entgegen
Eine Gläubige in Nepal nimmt nach einem Gebet zum hinduistischen Gott Shiva den Segen entgegen.
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

„Religions for Peace“ – laut Veranstaltern ist die Konferenz das größte interreligiöse Treffen der Welt, hochrangig besetzt mit circa 900 Vertretern von 17 Religionen, Regierungsvertretern und zivilen Gruppen. Repräsentanten aus Jerusalem und Nigeria sind ebenso dabei wie Delegationen aus den verfeindeten Staaten Iran und Vereinigte Arabische Emirate.

Was ist „Religions for Peace“ für eine Organisation?

Die Konferenz wurde als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die atomare Bedrohung im Kalten Krieg ins Leben gerufen. 1961 wurde erstmals mit den Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen der Religionsvertreter begonnen. Die erste Weltversammlung 1970 in Kyoto gilt als Gründungsdatum von „Religions for Peace“. Seit 1973 ist sie als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Der Hauptsitz der Organisation ist in New York.

Sie besteht aus einem Rat hochrangiger religiöser Führungspersonen aus der ganzen Welt, sechs interreligiösen Regionalräten und 90 nationalen Räten. Nach diesem Prinzip ist auch die Arbeitsweise der Organisation strukturiert. „Religions for Peace“ mobilisiert Religionsgemeinschaften auf unterschiedlichen Ebenen. Dazu zählen globale Aktionen, wie die Konferenz in Lindau, aber auch lokale Maßnahmen. Eine internationale Koordinations-Gruppe stellt für die jeweilige Untergruppen Material und Informationen bereit.

Welche Ziele hat „Religions for peace“?

Friedenssymbol "Ring for Peace" in Lindau
Friedenssymbol „Ring for Peace“
Quelle: dpa

Die Konferenz will Friedensprozesse vorantreiben und über die gesellschaftspolitische Verantwortung von Religionen sprechen. Dabei setzt sich die Organisation nach eigenen Angaben für Zusammenhalt, Menschenrechte, Klimawandel und Umweltschutz ein.

Um was geht es bei der Konferenz in Lindau?

Auf der Agenda stehen zwei konkrete Ziele:

  • Nach den Anschlägen auf Kirchen in Sri Lanka und eine Moschee in Christchurch sollen Initiativen zum Schutz von religiösen Stätten ins Leben gerufen werden. Mit Hilfe einer globale Bewegung, sollen sogenannten „Schutzringe“ um religiöse Stätten errichtet werden.
  • Das zweite Ziel ist die Stärkung der Rechte afrikanischer Frauen. DNA-Nachweise sollen dabei helfen, Sexualstraftäter besser zu identifizieren, um Frauen besser vor sexueller Gewalt zu schützen. Ob diese Methode praxistauglich ist, soll in Zusammenarbeit mit Universitäten, Unternehmen und der Polizei zunächst in Kenia, der Demokratischen Republik Kongo und in Malawi zu testen.

Und darüber hinaus?

Nach der offiziellen Eröffnung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erarbeiten die Teilnehmer, wie der Dialog zwischen Religionen den Frieden fördern kann. Die Diskussionen im Plenum werden öffentlich übertragen, um die Bewohner des Tagungsortes einzubinden.

Am Rande der Konferenz soll es außerdem Gespräche zwischen Konfliktparteien verschiedener Länder, z.B. Myanmar und Bangladesch, Nord- und Südkorea und den Konfliktparteien aus dem Süd-Sudan geben. Zentraler Programmpunkt ist auch die Einweihung der Skulptur „Ring of Peace“ des Künstlers Gisbert Baarmann am Dienstag.

Wo war „Religions for Peace“ bisher erfolgreich?

Die Organisation hat schon in einigen Konflikt- und Kriegssituationen vermittelt, unter anderem nach den Naturkatastrophen in Haiti, Nepal und Japan sowie in Konfliktgebieten wie dem Kosovo, Sierra Leone, Liberia, Sri Lanka und Syrien.

Besonders erfolgreich war die Organisation in Bosnien-Herzegowina: Dort half die Mediation von „Religions for Peace“, den interreligiösen Rat von Bosnien zu etablieren. Außerdem hat sie in Myanmar sogenannte „open spaces“, also sichere Orte für Diskussionen und Treffen geschaffen.

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