NachrichtenReportage

Kramp-Karrenbauer im Irak, Nichts ist so, wie es war

 

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat am letzten Tag ihrer Truppenbesuche in Jordanien und im Irak das Gespräch mit Jesidinnen gesucht, die aus der Gefangenschaft der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) befreit werden konnten. Bei dem Gespräch im nordirakischen Erbil wollte die Ministerin von den fünf Frauen mehr über die Sicherheitslage und ihren schwierigen Weg zurück in den Alltag erfahren. Im Luftraum über Syrien und im Irak beteiligt sich Deutschland am internationalen Kampf gegen den islamistischen Terror. Über die Verlängerung des Mandats gibt es Streit zwischen der Union und der SPD.

Hintergrund für das Treffen mit den Jesidinnen ist auch eine Entscheidung des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts. Das Gericht sieht keine Gefahr einer systematischen Verfolgung von Jesiden im Norden des Irak mehr und lehnte Ende Juli die Asylanträge eines irakischen Jesiden und seiner Schwester ab. Kramp-Karrenbauer wollte sich selbst ein Bild von der Lage machen. Einige Frauen schilderten, dass es für sie noch immer unmöglich sei, in ihre Dörfer zurückzukehren. Entweder würden sie ausgegrenzt oder lebten in Angst vor neuer Gewalt.

Kramp-Karrenbauer wirbt für eine verlängerte Bundeswehrmission im Kampf gegen den IS

Eine Gesprächspartnerin, die 35-jährige Melika, sagte, ihr fehlten die Worte bei der Vorstellung, dass es dort für Jesiden wie sie ein sicheres Leben geben soll. IS-Terroristen hatten im August 2014 mehr als 10 000 Angehörige der religiösen Minderheit im Sindschar-Gebirge eingekesselt. Sie nahmen Tausende jesidische Frauen und Kinder gefangen und versklavten sie. Melika berichtete von Hunger und andauernder Gewalt. Zehn Mal sei sie verheiratet und weiterverkauft worden. Die Jahre in der Gefangenschaft hätten „mit Leben nichts mehr zu tun gehabt“.

Kramp-Karrenbauer nannte die Gespräche mit den Jesidinnen „sehr bewegend“.

Vom ersten Tag ihrer Reise an hat Kramp-Karrenbauer für die Fortsetzung des Militäreinsatzes geworben. Im Streit mit der SPD liefert ihr die Lage der Jesiden weitere Argumente. Die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal, die der Delegation angehörte, appellierte eindringlich an die SPD. Von einem Ende des Einsatzes würden nur die „Falschen im Land“ profitieren, nämlich die Extremisten. In dieser Frage gehe es keineswegs darum, „Krieg zu führen, sondern die Basis für realistische Friedensarbeit“ zu schaffen.

Zuvor war der Ministerin und den Bundestagsabgeordneten von militärischer Seite dargelegt worden, dass der IS nach wie vor eine große Bedrohung darstelle. Er sei zwar besiegt worden, versuche nun aber, sich im Untergrund neu aufzustellen. Der Vizekommandeur der Anti-IS-Koalition, der britische Generalmajor Christopher Ghika, erklärte, ein Ende des deutschen Engagements würde der Mission einen „schweren Schlag“ versetzen. In Teilen der SPD zeichnet sich die Bereitschaft ab, zumindest die Tornado-Aufklärungsjets in der Region zu belassen. Das werde jetzt bewertet, sagte Nils Schmid, der außenpolitische Sprecher. Die Ausbildung irakischer Streitkräfte durch Deutsche hält er dagegen für „nicht zwingend“.

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