NachrichtenReportage

„Hoffnungsschimmer“ unterstützt Jesiden im Nordirak

Zukunft liegt in Hand der Frauen Senden

Von WN

Bei ihrer Hilfe für die jesidische Bevölkerung im Nordirak setzt „Aktion Hoffnungsschimmer“ auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb unterstützt der Sendener Verein Frauen-Kooperativen, mit denen Familien sich selbst versorgen und die Mütter gleichzeitig als Klein-Unternehmerinnen tätig sind.

Frauen-Kooperativen wie diese Bäckerei in Xanesor werden von „Hoffnungsschimmer“ unterstützt.

Die Normalität kehrt zurück – zwischen Trümmern und zerstörter Infrastruktur. Nach dem Überfall auf die nordirakische Shingal-Region vor fünf Jahren klaffen noch Wunden im Bild der Städte und Dörfer und in den Seelen der Bewohner. Dass nach dem Krieg gegen die jesidische Bevölkerung der Alltag aber nicht einfach dort wieder anknüpft, wo er vor dem Angriff der Terrormiliz IS stehen geblieben war, daran haben die Frauen in der Region besonderen Anteil. Denn ihre Rolle und ihr Selbstverständnis haben sich gewandelt. Weshalb der gemeinnützige Verein „Aktion Hoffnungsschimmer“ seine jüngsten Hilfsprojekte vor allem dort „angedockt“ hat

Hilfe zur Selbsthilfe als Devise

Hilfe zur Selbsthilfe, so lautet die Maxime. Deshalb unterstützt „Hoffnungsschimmer“, neben akuter humanitärer Hilfe, Frauen-Kooperativen in der nordirakischen Region. In Orten wie Xanesor mit jetzt knapp 15 000 Einwohnern und Sinune mit etwa 20 000 Einwohnern – Zahlen, die vor dem Genozid an den Jesiden drei Mal so hoch gewesen seien, so Orhan Atalan, Vorstandsmitglied von „Hoffnungsschimmer“ – stärkt der Verein die Eigenorganisation von Frauen in den Bereichen Bäckerei, Näherei, Imkerei und Landwirtschaft. Die Frauen, deren Männer größtenteils vom IS ermordet worden seien, müssen ohne den Partner und bis dato Ernährer auskommen. In den Kooperationsbetrieben sichern sie nicht nur die eigene Versorgung, sondern fungieren auch als Klein-Unternehmerinnen, berichten Alfred Holz , Vorsitzender von „Hoffnungsschimmer“, und Orhan Atalan, der im vergangenen Jahr bei einem Besuch im Norden des Iraks mit Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster und Schirmherr des Sendener Vereins, Anknüpfungspunkte und Partner für dieses Hilfskonzept gefunden hat. Dahinter steht nicht nur die Bewältigung des Alltags, sondern es „sollen auch Bleibeperspektiven eröffnet werden“, ergänzt .

Dr. Jochen Reidegeld verschafft sich selbst einen Eindruck von den Frauen-Kooperativen im Nordirak.
Dr. Jochen Reidegeld verschafft sich selbst einen Eindruck von den Frauen-Kooperativen im Nordirak. Foto: Hoffnungsschimmer

Kraft und Selbstbewusstsein der Frauen „beeindrucken“

55 000 Euro habe „Hoffnungsschimmer“, der mit dem örtlichen „Humanitären Verein für den Wiederaufbau in Shingal“ zusammenarbeitet, in den zurückliegenden Monaten als Anschubfinanzierung für die Frauen-Projekte und in ein Fahrzeug gesteckt. Darauf soll auch eine Mitarbeiterin Zugriff haben, die „Hoffnungsschimmer“ für mehrere Jahre in der Shingal-Region als fester Brückenpfosten dienen soll. Özlem Y., die für den Sendener Verein bereits vor Ort war, bereitet gerade ihren längeren Aufenthalt vor, für den unter anderem bürokratische Hürden zu überspringen sind. Die Pädagogin richtete im Gespräch mit den WN ebenfalls den Fokus auf die Frauen in dem Gebiet: „Ihre Kraft und ihr Selbstbewusstsein beeindrucken mich sehr“, resümiert die Lehrerin, die von der Schweiz aus aufbrechen will.

Özlem Y. soll längerfristig als Brückenpfosten für „Hoffnungsschimmer“ im Shingal tätig sein.
Özlem Y. soll längerfristig als Brückenpfosten für „Hoffnungsschimmer“ im Shingal tätig sein. Foto: Hoffnungsschimmer

Zugleich strahle die neue Rolle der Frauen aus. „Dadurch wird ein gesellschaftlicher Wandel angestoßen“, hat Reidegeld beobachtet, der ebenfalls in diesem Jahr noch einen weiteren Besuch in der Shingal-Region plant.

Eine Bilanz der Reisen und Projekte zieht der Sendener Verein auch bei seiner öffentlichen Versammlung.

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