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Notlage der Jesiden und Christen wird sich weiter zuspitzen

Von Schwaebische

Ezidi24

Hilfe für Jesiden und Christen im Nordirak wird noch auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte notwendig sein: Zu diesem Schluss ist beim Bodensee Business Forum (BBF) eine Expertenrunde gekommen, die die Situation der religiösen Minderheiten vor allem in der autonomen Region Kurdistan beleuchtet hat.

Mit Irene Mundel aus dem baden_württembergischen Staatsministerium, dem Tuttlinger Bundestagsabgeordneten Volker Kauder (CDU), dem Psychologen Jan Ilhan Kizilhan und dem NRW-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel (SPD) diskutierten vier Teilnehmer, die die Situation in Kurdistan seit langer Zeit kennen. Die Moderation lag bei Claudia Kling, der Leiterin des Politikressorts der „Schwäbischen Zeitung“.

Nach dem Überfall der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Jahr 2014 hatten Hunderttausende Jesiden und Christen ihre Heimat im Shingal-Gebirge und in der Ninive-Ebene verlassen müssen. Bis heute leben etwa 300 000 Menschen in Kurdistan in Flüchtlingscamps, viele von ihnen in Zelten.

Der Irak ist noch immer nicht stabil

Berichte, dass Christen in die Ninive-Ebene zurückkehren, bezeichnete Kauder als falsch. Der Irak sei nicht stabil: „Die Regierung in Bagdad kümmert sich nicht um Kurdistan, außerdem ist zu befürchten, dass aufgrund des türkischen Einmarsches im Norden Syriens eine neue Flüchtlingswelle schon bald im Nordirak ankommt.“

Jan Ilhan Kizilhan liegen Nachrichten vor, dass an der türkisch-irakischen Grenze bereits Zelte und Busse bereitgestellt werden, damit kurdische Flüchtlinge aus Syrien Hilfe bekommen.

Kizilhan, der in der Provinzhauptstadt Dohuk ein Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie aufbaut, wusste zu berichten, dass der IS weiter landwirtschaftliche Anbauflächen in Brand steckt: „Außerdem sind IS-Aktivisten als sogenannte ,Schläfer‘ in den Camps unterwegs.“

Serdar Yüksel, der sich neben seiner politischen Arbeit im „Flüchtlingsdorf NRW“ für Jesiden in den Camps Mam Rashan und Sheikhan engagiert, ist der Meinung, dass die Hilfe für Kurdistan „weg von der Akuthilfe und hin zu langfristig angelegten Investitionen gestaltet werden muss“.

Es gibt genug Geld, aber keine Sicherheit.

Serdar Yüksel

Auch in der Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ der „Schwäbischen Zeitung“ wird für diese Camps gesammelt. Yüksel sagte, Voraussetzung für langfristige Hilfe sei die Stabilisierung der Sicherheitslage in weiten Teilen des Iraks. Kauder ergänzte: „Es gibt genug Geld, aber keine Sicherheit.“

Vor allem die Christen und die Jesiden hätten das Vertrauen in die Regierung der autonomen Region Kurdistan verloren, war sich die Runde einig. Die kurdische Armee, die Peschmerga, hätte beim Überfall des IS die religiösen Minderheiten im Stich gelassen. Darum sei jetzt politischer Druck auf die Regierung in Erbil notwendig, sagte Kizilhan: „Nach dem Motto: Wir helfen Euch nur, wenn Ihr den Minderheiten helft.“

Konkrete Hilfe für besonders schutzwürdige Frauen und Kinder leistet das Land Baden-Württemberg: 1100 Personen leben seit 2015 im Land. Das Projekt ist nach Angaben von Irene Mundel gelungen: Das habe eine Evaluation der Universität Tübingen ergeben: „Für diese Menschen ist es eine Labsal, dass sie hier ein normales Leben führen können und dass die Kinder eine Schulausbildung bekommen können.“

Kauder kündigte ein neues Sonderkontingent an, das er zusammen mit der Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und dem Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann (SPD) im Sommer gefordert hatte. Vor Weihnachten sei mit ersten Ergebnissen zu rechnen.

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