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Prozessauftakt zu IS-Rückkehrerin: 21-Jährige aus Konstanz hielt Sklavinnen in Syrien

Der Strafprozess gegen die mutmassliche IS-Terroristin Sarah O. aus Konstanz hat begonnen. Der 21-jährigen Dreifach-Mutter drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Seit dem Mittwoch, 16. Oktober, muss sich die Konstanzerin Sarah O. vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Die 21-jährige Dreifach-Mutter ist wegen Mitgliedschaft bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeklagt. Wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berichtet, werden ihr auch Menschenhandel und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Sklavinnen versorgten Kinder

Zur Vorgeschichte. Mit 15 Jahren ist die Deutsch-Algerierin nach Syrien ausgereist, wo sie den IS-Kämpfer Ismail S. nach islamischem Recht geheiratet haben soll. Die Eheleute sollen Polizei- und Wachdienste ausgeführt haben. Sarah O. soll auch aktiv versucht haben, neue Mitglieder für den IS zu re­krutieren. Gemeinsam haben Sarah O. und der IS-Kämpfer Ismail S. drei Kinder bekommen, welche von drei Sklavinnen jesidischen Glaubens versorgt wurden.

Als sich der IS Anfang des vergangenen Jahres zurückzog, soll Sarah O. mit ihren Kindern in die Türkei geflüchtet sein, berichtet der Südwestrundfunk (SWR). An der Grenze wurde sie von türkischen Sicherheitskräften aufgegriffen und im September nach Deutschland ausgeliefert. In Nordrhein-Westfalen sitzt sie seither in Untersuchungshaft. Die drei Kinder sind gemäss der Zeitung «Südkurier» bei einer Pflegefamilie untergebracht worden.

Ohne Gesichtsschleier im Gericht

Zu ihrer Verhandlung am Mittwoch erschien die 21-jährige mutmassliche Terroristin in einem hellgrauen Hosenanzug. Sie trug eine schwarze Brille, verdecke ihr Gesicht aber mit einem Aktenordner. Obwohl sie mit 15 Jahren begann, einen Gesichtsschleier zu tragen, trug sie ihre braunen, hüftlangen Haare vor Gericht offen und lockig.

Vor Beginn des Prozesses verlangte ihr Verteidiger Ali Aydin den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin sowie ihrer Kinder sollen so geschützt werden, lautete seine Begründung. Das Gericht stimmte dem Antrag gemäss der Zeitung «Welt» zu, weil die Angeklagte dadurch möglicherweise weniger Hemmungen in der Verhandlung habe. Laut WDR hatte Sarah O. zum Prozessauftakt jedoch zu den Vorwürfen noch keine Angaben gemacht.

Eltern von Ehemann werden ebenfalls angeklagt

Neben der 21-jährigen Konstanzerin werden auch die Eltern ihres Ehemannes Ismail S. angeklagt. Sie sollen ihren Sohn und dessen Bruder bei der Versorgung des IS mit Waffen unterstützt haben, weiss der SWR. Die Schwiegermutter von Sarah O. soll unter anderem Zielfernrohre und Magazine für Pistolen sowie Kalaschnikows an ihre Adresse geliefert und dann nach Syrien gebracht haben. Dem Vater von Ismail S. wird vorgeworfen, die Rechnungen dafür bezahlt zu haben.

Für den Prozess sind bis vor Weihnachten 18 weitere Verhandlungstage geplant. 33 Zeugen sollen angehört werden. Wenn Jugendstrafrecht angewandt wird, drohen Sarah O. bis zu zehn Jahre Haft, berichtet die Zeitung «Welt».

Für Aufsehen am ersten Prozesstag hätten zwei Zuschauer im Vorraum des Gerichtssaals gesorgt: Es habe ein kurzes Handgemenge gegeben. Dabei wurde aber niemand verletzt.

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