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Pressemitteilung: Amal Clooney, Natalie von Wistinghausen und Yazda begrüßen historische Völkermordanklage in Deutschland

Ezidi 24 – Frankfurt

 

Der Prozess gegen Taha A.-J., einem 27-jährigen irakischen Staatsangehörigen, beginnt heute vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Dem Angeklagten werden die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, das Begehen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, von Menschenhandel und Kriegsverbrechen, einschließlich der Ermordung eines fünfjährigen jesidischen Mädchens, vorgeworfen Die Anwältin des Opfers, Amal Clooney, kommentiert die historische Bedeutung dieses Tages:

 

Dieser Prozess befasst sich mit der weltweit ersten Anklage eines IS-Mitglieds wegen des Völkermordes an der jesidischen Bevölkerung. Ich beglückwünsche die deutschen Strafverfolgungsbehörden für ihre Führungsrolle bei der Verfolgung der Verantwortlichen für den Völkermord an den Jesiden und für die Antwort auf das Petitum der Überlebenden, den IS für die begangenen Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Dies ist ein historischer Moment für die jesidische Gemeinde sowie auch für andere Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen. “

 

Der Anklageschrift zufolge trat Taha A.-J. vor März 2013 dem sogenannten Islamischen Staat (IS) bei. Er ist der Ehemann und mutmaßliche Mittäter von Jennifer W., einer 28-jährigen deutschen Staatsbürgerin, die derzeit vor dem Oberlandesgericht München u.a. wegen Mordes als Kriegsverbrechen und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen jesidische Opfer vor Gericht steht. Im Sommer 2015 „kaufte“ Taha A.-J. ein fünfjähriges jesidisches Mädchen und deren Mutter und er und seine Frau versklavten sie. Sie hielten sie in ihrem Haus im irakischen Falludscha gefangen. Dort wurden beide unter Androhung von Gewalt dazu gezwungen, nach islamischen Regeln zu leben und zu beten. Taha A.-J. schlug seine Sklavinnen regelmäßig und kettete das Kind eines Tages bei sengenden Temperaturen an ein Fenster im Hof des Hauses. Das Kind verstarb infolge dieser Mißhandlung. Im Falle einer Verurteilung drohen sowohl Taha A.-J. als auch Jennifer W. eine lebenslange Freiheitsstrafe.

 

Die deutsche Anwältin des Opfers, die sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen hat, Natalie von Wistinghausen, sagt:

 

„Das von der deutschen Strafjustiz angewandte Weltrechtsprinzip ermöglicht es, den Angeklagten in Deutschland wegen des Völkermordes an den Jesiden im Irak strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Dies ist ein großer Schritt im Vorgehen gegen die Straflosigkeit einzelner IS-Mitglieder für ihre grausamen Verbrechen und Angriffe gegen die jesidische Bevölkerung. Insbesondere für unsere Mandantin ist es ein wichtiges Momentum, dass der Mann, der für den Tod ihrer Tochter und für die Versklavung und Misshandlung von Mutter und Kind verantwortlich ist, jetzt vor Gericht gestellt wird und auch, dass die Anklage erstmals das Verbrechen des Völkermordes an ihrer Völkergemeinschaft umfasst. “

 

Im August 2014 fegte der IS über die Ebenen von Sinjar und Ninive und begann mit gezielten Angriffen gegen indigene Jesiden, Christen (einschließlich ethnischer Assyrer), schiitische Turkmenen und andere religiöse Minderheiten. Der IS verfolgte den Plan, das jesidische Volk zu eliminieren. Männer und männliche Jugendliche wurden getötet und tausende von Frauen und Kinder entführt. Jungen wurden indoktriniert und gezwungen, für den IS zu kämpfen, während Frauen und Mädchen ab dem Alter von neun Jahren versklavt und an IS-Kämpfer verkauft wurden. Während ihrer Gefangenschaft erlitten sie Schläge, Zwangsarbeit, Zwangsehen und anhaltende sexuelle Gewalt in einem organisierten System der sexuellen Versklavung. Die Vereinten Nationen, das US Holocaust Memorial Museum und andere nationale und internationale Organisationen haben diese Verbrechen als Völkermord anerkannt. Ungefähr 3.000 Jesiden werden nach wie vor vermisst und viele Frauen und Kinder sind mutmaßlich noch heute unter der Kontrolle des IS.

 

Yazda, eine globale jesidische Nichtregierungsorganisation, unterstützt Überlebende und dokumentiert diese Verbrechen seit der Gründung im Jahr 2015. Das Dokumentationsprojekt sammelt Zeugenaussagen und kümmert sich um die Aufbewahrung der zusammen getragenen Information. Dieses Projekt hat maßgeblich zu der Identifizierung der Mutter des ermordeten fünfjährigen jesidischen Mädchens beigetragen. Sie wird in dem Verfahren gegen Taha A.-J. als Zeugin vernommen werden.

 

Yazdas Exekutivdirektor Murad Ismael fügt hinzu:

 

„Yazda ist bereit, die irakische Regierung, UNITAD und alle Regierungen bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die der IS unschuldigen Zivilisten im Irak und darüber hinaus zugefügt hat. Angesichts der COVID-19-Pandemie beglückwünsche ich auch die deutschen Behörden für ihre kontinuierlichen Bemühungen, den Jesiden Gerechtigkeit zu bringen. Ich fordere jetzt alle Regierungen auf, zusammenzuarbeiten, um unsere vermissten Frauen, Männer und Kinder zurückzubringen.”

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